02_Kollektionen/AdobeStock_447772831.webp

News & Kurzmeldungen

Neuigkeiten aus der VG Creußen, Haag, Prebitz und Schnabelwaid.


11.04.2025
Datacollector/67f8f31e70c9f.jpg
Die Feindbesetzung von Creußen im letzten Kriegsjahr April 1945 - Teil I

Sieben Wochen vor dem Einmarsch der Amerikaner in Creußen wurde unser Städtchen von aus dem Westen zurückflutenden deutschen Soldaten durchzogen. Dies war die Folge dafür, dass die Amerikaner und die Engländer am 06. Juni 1944 in Frankreich in der Normandie gelandet waren. Die Ardennenoffensive begann 16. Dezember 1944, war am 21.01.1945 zu Ende. Anfang 1945 marschierten die Truppen nach Osten, auf deutsches Reichsgebiet ein. Wie überall, so musste damals auch in Creußen ein Volkssturm gebildet werden, dem alle noch vorhandenen Männer bis zum 65. Lebensjahr angehören mussten. Dieser Volkssturm wurde zur Verteidigung der engsten Heimat eingesetzt und musste vor allem die errichteten Panzersperren schließen. Für das Städtchen Creußen waren 2 Panzersperren errichtet. Die eine Sperre stand am „Eberth‘n-Berg“, dies ist der Anstieg der heutigen Bayreuther Straße zwischen der Einmündung Sperkengasse beim ehemaligen Künnethskeller und der Einmündung der Bahnhofstraße an der ehemaligen Gastwirtschaft „Obere Post“. Diese Panzersperre wurde von den in Creußen stationierten tschechischen Arbeitern geschlossen. Die zweite Panzersperre befand sich im Bürgerwald vor der Eisenbahnbrücke am „Zweiten oder Großen Roen Hügel“, über den ehemals die Bundesstraße 2 (B2) nach Schnabelwaid-Pegnitz führte. Obwohl es damals an beherzten Männern nicht gefehlt hatte, die vor dem zwecklosen und für das Städtchen Creußen sehr gefahrenvollem Schließen der Panzersperren warnten, und es auch zu Auseinandersetzungen mit dem Ortsamtsleiter gekommen war, mussten diese beiden Panzersperren im April 1945 geschlossen werden. Am Samstag, den 14. April 1945 nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr trafen die ersten amerikanischen Panzer von Gottsfeld her kommend in Creußen ein, ohne dass ein besonderes Feuergefecht vorher stattgefunden hatte. Sobald die ersten Panzer eingetroffen waren und ein Beschuss durch SS-Truppen nicht mehr zu erwarten war, sind diese beiden Panzersperren wieder beseitigt worden. Eine schon vorher versuchte Entfernung der beiden Panzersperren wurde durch plötzlich auftretende SS-Soldaten verteilt, wobei die Bürger Hans Pühl, Fritz Meyer, Hans Mehl, Heinrich Kragler und Pfarrer Rohmer mit der Waffe bedroht wurden. Die ersten eintreffenden amerikanischen Panzer wurden durch Friedrich Neuner, Georg Lindner und Ludwig Rauch empfangen.       Mit der Besetzung unserer Stadt durch amerikanische Soldaten kam es auch zur Befreiung der hiesigen Strafgefangenen und der ausländischen Arbeiter, die im ehemaligen Flüchtlingslager, auf dem heutigen Thietmarplatz und in den Stein- baracken im Rosental untergebracht waren. Es handelte sich um politische Strafgefangene, Auslandsarbeiter und Kriegsgefangene Franzosen, Belgier und Italiener, die im Rüstungswerk Tabel beschäftigt waren. Der Einzug der Amerikaner war für die Lagerinsassen begreiflicherweise eine Befreiung, die unter der Stadtbevölkerung jedoch eine große Beängstigung auslöste, weil dies Ausländer durch die Besatzungstruppen sofort mit Waffen ausgestattet wurden und auch die Polizeigewalt in Creußen übertragen bekamen. In dem Strafgefangenenlaqger allein waren 660 tschechische und weitere 550 Personen aus acht verschiedenen Nationen untergebracht gewesen. Ein Gefangenenaufseher namens Greim wurde auf der Flucht von den Amerikanern erschossen. Noch am gleichen Tage mussten die Creußener Bürger Wohnräume für die Besatzungsmacht zur Verfügung stellen. Am zweiten Tag der Besatzung, Sonntag, 15. April 1945, wurde in der Frühe eine Hausdurchsuchung nach Waffen vorgenommen. Die momentane Kampfesruhe wurde schon gegen 09.30 Uhr durch einen Gegenangriff deutscher Panzer unterbrochen. Der zeitweise heftige Feuerkampf dauerte bis zum Donnerstag, den 19. April 1945, nachdem die Amerikaner von Bayreuth her starke motorisierte Verstärkungen erhielten und die deutschen Panzer zum Rückzug gezwungen wurden. Nach den Ermittlungen war die Stadt Creußen auf drei Seiten von deutschen Panzern umstellt gewesen. Abgesehen von einzelnen Einschlägen, die keinen besonderen Schaden verursachten, kam Creußen aus diesem Kampf ziemlich wohlbehalten heraus. und die Bahnhofrestauration in Schnabelwaid schwer Dagegen aber wurden die umliegenden Ortschaften, wie Gottsfeld, Engelmannsreuth, Neuhof, Althaidhof, Preußling, Seidwitz, Letten, Schönfeld, die Neumühle bei Craimoos getroffen. Der nächtliche Himmel gab in diesen Tagen ein grausiges Bild von dem Feuerschein der ringsum brennenden Ortschaften.


Währende dieser Kampftage haben auch etliche Zivilpersonen ihr Leben verloren oder sind an ihren Verletzungen später gestorben: Burkhard Steingraeber, gefallen zwischen Bühler Schloß und dem Steinbruch. Lorenz Pühl, schwer verwundet in der Kappel gestorben. Johann Georg Eckert am eigenen Haus in Bühl durch Granatsplitter, Hildegard Laas im Steinbarackenlager Rosental durch Granate,die Eheleute Mann (Hausname Kutscher) in Althaidhof im eigenen Anwesen, Hans Lindner und Georg Hertel am eigenen Haus in Neuhof, Johann Meyer mit seiner Schwiegertochter in Seidwitz, Johann Förster in Gottsfeld, Elisabeth Gräbner in Neuhaidhof und der Metallwerkarbeiter Ziegenhirt in der Steinbaracke sind ums Leben gekommen.  

                                                  

Der zweite Teil des Berichts folgt in der nächsten Ausgabe des VG-Creußen-Journals.


Quellen: Archiv von Hans Bauriedel      

Der Bericht stammt aus der Niederschrift von Hans Mehl zum Kriegsende.

H. Mehl wurde am 27. Januar 1946 als Bürgermeister von Creußen gewählt.

    

Raimund Nols, 2. Bürgermeister