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News & Kurzmeldungen

Neuigkeiten aus der VG Creußen, Haag, Prebitz und Schnabelwaid.


28.01.2025
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Aus der Creußener Geschichte Teil 2

Bilder: Peter Hippmann


Die Gründung von Lindenhardt                         

 

Mannigfach ist die Namensdeutung L i n d e n h a r d t. In der ersten urkundli-chen Erwähnung im Jahre 1125 findet sich der Name in folgender Schreibweise:„…in villa Lindinharde in predio Ottonis Palatini…“ (im Ort Lindenhardt unter der Herrschaft des Bischofs Otto), später erscheint er so: Lintenhart (1216) Linttenhard (1394), Lyntenhart, Lintenhart das Dort (1412), Lindenhardt (1545). Ziegelhöfer / Hey erwähnen auch die Namensform Lindrachard (1125), was im ersten Teil des Wortes mit mhd. lintdrache, lintrache, Lindwurm zu erklären wäre; Lindenhardt bedeutet demnach Lindwurmwald.

 

Am eingängigsten und sichersten ist wohl die Ableitung von dem Baum, der in der Vegetation der Gegend ins Auge fiel, der Linde. Zu dem Bestimmungswort Linde gesellte sich das Grundwort hardt (=Wald), was also Lindenwald hieße. Der Lindenhard braucht aber kein Wald von lauter Linden zu sein. Die Linde ist und bleibt ein Baum, der eigentlich keine Wälder bildet, sondern gern allein dasteht. . Deshalb deutet man den Ortsnamen Lindenhardt an besten mit „Siedlung am Hardt (=Wald), in dem oder an dessen Rand einzelne Lindenbäume wachsen“.

 

 Pfarrer Mengert weiß in seiner Abhandlung zur ältesten Geschichte Lindenhardts (Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfr. 13, Bd) zu berichten, dass es dort bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch Linden in gewaltigen Stämmen gab.

 

Eine andere Namensform Lindrachard wäre, wie schon erwähnt, als Lindwurmwald zu deuten, worauf das einen Drachen enthaltende Wappen und Siegel des Marktes Bezug nimmt, auch die mit der Erbauung der Kirche zusammenhängende Lindwurmsage. Ein Lindwurm habe einst hier in der Gegend, als sie noch sehr mit Wald bedeckt war, sein Unwesen getrieben und sei von einem kühnen, christlichen Ritter, dessen Name die Sage aber vergessen habe, erlegt worden. Er errichtete auf der Stelle, wo ihm die Heldentat gelungen, aus Dankbarkeit eine Kapelle. Der Wald sei gelichtet worden, und bald sei ein Dorf um das Kirchlein entstanden, Lindrachard genannt. Merkwürdig mutet es an, dass die Begebenheit auf oberfränkischem Boden an die Legende von der Heldentat des heiligen Georg, deren Schauplatz bekanntlich nach England verlegt wird, an klingt.

 

Beim Ausheben der Grube zur Erweiterung der Kapelle, die infolge der vielen Wallfahrten (?) zu den „heiligen Frauen“ angeblich zu klein geworden war, soll ein kleiner Lindwurm aus der Erde gefahren sein und einen Maurergesellen getötet haben. Das Untier soll dann mit Spießen und Heugabeln umgebracht, seine Haut abgestreift, ausgefüllt und in einem großen Kasten im Kirchenraum an einer Wand zur Schau aufgestellt worden sein.

 

Zweifellos leitet sich von diesen Lindwurmsagen auch der feuerspeiende, rot bewehrte, grüne Lindwurm mit hochgeschlagenem Ringelschwanz im Wappen der Gemeinde Lindenhardt ab. Der älteste Abdruck des Gemeindesiegels ist aus dem Jahre 1567 bekannt. Abweichend von der traditionellen und bis heute gültigen Darstellung ist nur die Skizze von Will 1692, die im gespaltenen Schild vorne den gevierten Zollernschild und hinten den „Landdrachen“ zeigt. Zur Deutung des Tieres erzählt Will die bereits erwähnte Wappensage. Es darf Angenommen werden, dass es sich bei dem Lindwurm nur um die volksetymologische Erklärung des Ortsnamens handelt und das Sagentier dem Reich der Phantasie des Volksmundes entsprungen ist.

 

Dieser Lindwurm im Ortssiegel und die mit der Erbauung der Kirche zusammen-hängende Lindwurmsage weisen eindeutig auf das St. Michaelspatrozinium hin. Zur Begründung ließe sich sagen: Nach der Heiligen Schrift stritten Erzengel Michael und seine Engel mit dem Drachen, „und er ward hinausgeworfen der alte Drache, die große Schlange, Teufel und Satan“ (Apokalypse 12,7).

 

Quelle: Bayreuther Sagenschatz (nach Schwarz) 

 

Raimund Nols, 2.Bürgermeister


Bilder: Peter Hippmann